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Warum heizen mit Teelichtern Unsinn ist

Im letzten Newsletter (Newsletter TT-Düsseldorf 12/2013) wurde das Thema Heizen mit Teelichtern beschrieben. Auf der einen Seite mag die beschriebene Methode eine Möglichkeit für einfache Verhältnisse darstellen, einen kleinen Raum zu erwärmen. Auf der anderen Seite stellt das beschriebene Verfahren eine Methode dar, die erstens wesentlichen Interessen der TransitionTown-Initiative widersprechen und zweitens in Bezug auf die Wirksamkeit stark in Frage gestellt werden muss. Details zu den verschiedenen Perspektiven sollen nun hier zusammengestellt werden.

Fragen, Kommentare und Kritiken zum Artikel können an kontakt@tt-wiki.de geschickt werden.

1. Grundsätzliche Betrachtungen zum Thema Teelichter

Kommerziell erhältliche Teelichter werden entweder aus Paraffin oder aus Verarbeitungsprodukten von Palmöl hergestellt. Während die Variante aus Paraffin grundsätzlich einen schlechten ökologischen Foodprint haben, da das Ausgangsprodukt Erdöl ist und somit im Rahmen der TransitionTown-Initiative nicht (oder nur im geringen Maße) verwendet werden sollte; aber bestimmt nicht zum Heizen. Einfacher zu bewerten ist die zweite Variante, die als Ausgangsprodukt Palmöl verwendet. Palmöl wird zu einem großen (fast 100%-igen) Anteil in Palmölplantagen hergestellt, die zu einem großen Anteil dadurch entstehen, dass der zuvor auf den Plantagen vorhandene Regenwald (oder sonstige natürlichen Biotope) abgeholzt und vernichtet wird, damit auf den entstehenden Freiflächen Platz für diese Palmöl-Monokulturen entstehen kann.

2. Heizen mit Teelichtern

Wie bereits bemerkt, wurden im letzten Newsletter Videos bzw. Verfahren vorgestellt, mit denen man in kleinen Räumen mit Teelichtern heizen kann. Dazu wurde eine kleine Vorrichtung aus zwei Ton-Blumentöpfen hergestellt, in deren Inneren das Teelicht angezündet und als Kerze ihre Energie an die Umgebung abgibt. Ein Teelicht erzeugt dabei eine Heizleistung von ca. 40 W 1). In den Videos wird als besonderes Wirkungsprinzip gezeigt, dass das Teelicht die Blumentöpfe erhitzt und dadurch eine besonders wirksame Wärmeverteilung entsteht. Hierzu sollte als Gegendarstellung bemerkt werden, dass das Teelicht die Energiequelle darstellt es somit grundsätzlich egal ist, ob das Teelicht sich in einem Blumentopf befindet oder nicht. Zwar könnte man entgegenhalten, dass der erhitzte Blumentopf ein besseres Strahlungsverhalten zeigt, da die Energie gleichmäßig als Wärmestrahlung abgegeben wird. Bei 40 Watt Gesamtheizleistung (pro Teelicht) oder 120 Watt (bei Verwendung von 3 Teelichtern) ist dieser Strahlungsanteil aber so gering, dass der Effekt vernachlässigt werden kann. Die Videos erklären auch nicht das Prinzip und lassen den Beobachter der Videos vollkommen im Unklaren darüber, welches Wirkungsprinzip unter den Blumentöpfen steckt. Als Vergleich mag jeder in einem Selbstversuch einen Wärmewellenheizer in seiner kleinen Wohnung aufstellen und nachprüfen, welche Heizleistung und Wärmeübertragung sich mit einer solchen Heizung erreichen lässt. Hier muss aber beachtet werden, dass der Wärmewellenheizer die Energie nur in eine Richtung abstrahlt, wobei eine Mindestleistung von 600 Watt (bei den Standardgeräten) eingestellt wird. Die Teelichter mit Blumentopf strahlen aufgrund der geometrischen Struktur die Wärme in alle Raumrichtungen ab. Das kann ein brennendes Teelicht aber bereits ohne Blumentopf.

3. Leuchten mit Teelichtern

Brennende Teelichter sind gefährlich und induzieren immer ein Restrisiko durch die offenen Flamme (auch im Blumentopf). Moderne Kleidung aus Kunststoffen sind leicht entzündlich und können nach Entzündung kaum noch gelöscht werden. Eine offene Feuerstelle (Kerze - Teelicht - Kamin - mobile Gasheizung) sollte somit vermieden werden und muss immer beobachtet werden. Im Mittelalter sind ganze Städte durch die Verwendung von offenen Feuerstellen verbrannt. Rauchmelder können das Risiko nur verringern.

4. Teelichter und der innewohnende ökologische Fingerabdruck

Nachdem nun die Ausgangsprodukte für Teelichter und das Wirkungsprinzip der Teelicht-Heizung beleuchtet worden ist, sollte nun der ökologische Gedanken im Fokus stehen.
Neben der schlechten ökologischen Produktionsbilanz (Erdöl, Palmöl, Abholzung von Regenwäldern, Monokulturen, entfernte Produktionsstätten) der Ausgangsmaterialien müssen weitere Punkte beachtet werden, die den Fußabdruck noch tiefer sinken lassen. Hier die einzelnen Punkte:

  1. Viele Teelichter werden in Aluminiumkapseln ausgeliefert, deren Herstellung zusätzliche Produktionsenergie verschlingt. Bei einer Verwendung kann man die Ökobilanz nur verbessern, wenn die Alu-Kapseln recycelt werden. Wenn man Kaffeepulverkapseln bereits brandmarkt, wie sollte dann die Ökobilanz erscheinen, wenn man mit diesen Kapseln nun auch noch heizen möchte.
  2. Heizleistung pro Teelicht: ca. 42 Watt (oben wurde grob 40 Watt angegeben)
  3. Heizenergie Teelicht: Heizleistung * 4.5 h ⇒ ca. 0,2 kWh Heizleistung
  4. bei 8 Teelichter pro Tag: 8 * 0,2 kWh = 1.6 kWh
  5. 100 Teelichter kosten minimal 2 € und haben 20 kWh ⇒ 10 cent/kWh
  6. In vielen Angeboten kosten 100 Kerzen bereits 3 €, womit der Preis der kWh auf 15 cent steigt
  7. die sozio-ökologischen Zuständen, unter denen Teelichter hergestellt und vertrieben werden, sind für TransitionTown-Ansprüche nicht tragbar und sollten vermieden werden
  8. bei TransitionTown-Aktivitäten (z.B. Regionaltreffen) sollten keine Teelichter verwendet werden, da sie grundsätzlich nicht verträglich mit den eigenen Idealen sind. Wer eine Kerze aus Bienewachs aufstellen kann, zeigt damit den notwendigen Aufwand, den eine resiliente Lichtquelle benötigt.
  9. vertretbar ist der Einsatz von Teelichtern, wenn das Paraffin aus Restkerzen wiedergewonnen wird.
  10. in westlichen Länder sollten auch arme Menschen von der Verwendung absehen. Armut in Europa ist primär eine perspektivische Armut. Viele von Armut betroffene Menschen verfügen in Europa über fließendes Wasser und haben somit bereits einen Luxus, den 50% der Weltbevölkerung nicht besitzt. Bei der Verwendung von Erdölprodukten sind aber wieder die Armen in den Entwicklungsländern (indirekt) betroffen. Dieses Thema kann hier allerdings nicht weiter behandelt werden.

5. Öllampen

Normale Öllampen benutzen als Brennstoff normalerweise Petroleum, somit ein Produkt aus der Erdölförderung. Resiliente Alternative dazu kann eine Pflanzenöllampe sein. Damit das Pflanzenöl sauber abbrennt, sind spezielle Dochte notwendig, die man aber leicht über das Internet beziehen kann. Diese Licht und Wärmequelle ist für ca. 12 cent pro kWh erhältlich. Bei Verwendung von Pflanzenöl ist aber auch zu bemerken, dass hiermit Lebensmittel verwendet werden.

6. Weitere Alternativen

  1. mit Gas heizen: ca. 9 cent pro kWh
  2. mit Holz heizen (z.B. im Kachelofen mit separater Entlüftung (Kamin), Wirkgrad deshalb ca. 75%): 6 bis 7 cent pro kWh (teiweise CO2-Neutral)
  3. Fenster erneuern ist die effizienteste Methode, häufig bringt bereits der Ersatz der Scheiben eine sehr große Ersparnis. Diese Methode ist speziell auch für Mietwohnungen geeignet. Details hierzu können mit der Energiegruppe der TT-Düsseldorf besprochen werden (über kontakt@tt-wiki.de).
  4. heißen Tee trinken
  5. Wasser erwärmen (ca. 60 Grad) und damit Wärmflasche füllen; diese unter den Pullover stecken
1) Watt - physikalische Einheit der Leistung
2) unter Technik → Projekt Pflanzenöl → PÖL Lampen Projekt
/hp/cd/ad/mp/www/data/pages/warum_heizen_mit_teelichtern_unsinn_ist.txt · Zuletzt geändert: 2016/01/23 14:10 von rainer